„Einfach, klar und jenseits realer Kosten“ – Freie Apothekerschaft kritisiert neue Honorierung von Rezepturen

 

Herxheim, im Juli 2016 – Was als Erfolg dargestellt wird, ist ein Hohn: Zusätzlich zum Arbeitspreis erhalten Apotheken künftig nun nicht mehr nur für Fertigarzneimittel, sondern auch für von Hand gefertigte Rezepturen 8,35 Euro (netto). Dieser Festbetrag – minus 1,77 Euro (brutto) Kassenabschlag, also real 6,86 Euro – deckt in keiner Weise die Kosten des Apothekers, kritisiert die Freie Apothekerschaft. Apotheker seien zurecht verärgert. Eine leistungsgerechte Bezahlung der Rezepturanfertigung ist nunmehr dringend geboten.

„Einfach, klar und eindeutig und ohne Erfüllungsaufwand“ – so steht es im Eckpunktepapier bezüglich der Festlegung des Pauschalbetrags für Rezepturen, das das Bundesgesundheitsministerium (BMG) jetzt veröffentlich hat.
„Einfach, klar und jenseits realer Kosten“, kritisiert Dr. Helma Gröschel, Vorsitzende der Freien Apothekerschaft. Apotheker seien hier wieder einmal diejenigen, die über den Tisch gezogen würden. 8,35 Euro sollen Apotheker für Rezepturen in Zukunft erhalten. Abzüglich des Kassenabschlags von 1,77 Euro. „Einen pauschalen Betrag festzulegen für die sehr unterschiedliche, zeitintensive, individuelle Erstellung von Rezepturen geht an der Realität vorbei“, so die Erfahrung Gröschels. Allein die Prüfung der Ausgangsstoffe seien zeit- und kostenintensiv. Eine leistungsgerechte Bezahlung nach Zeitaufwand wäre angebrachter.

Mit Freude hat die Freie Apothekerschaft zur Kenntnis genommen, dass zudem die Abgabe von BTM-Arzneimitteln, also Arzneimittel, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, besser vergütet werden soll. Auch diese ist zeitaufwändig. Mit 2,91 Euro statt wie bisher mit 26 Cent liegt die Honorierung jedoch ebenfalls noch immer weit von der Realität entfernt. Angesichts der bisherigen jährlichen Verordnungszahlen ergebe die neue nach ABDA-Angaben bis zu 35 Millionen Euro mehr an Honorar. Rund 7,2 Millionen allgemeine Rezepturen wie Salben, Kapseln und Zäpfchen seien gefertigt worden.
Insgesamt ist für Apotheken also ein Honorarplus von rund 82 Millionen Euro vorgesehen. (Rezepturen: 6,58 x 7,2 Mio allg. Rezepturen = 47,376 Mio € BTM: + 35 Mio € Btm = 82,376 Mio € = Honorarplus)

„Ja, es tut sich was“, sagt Gröschel. „Es geht in die richtige Richtung, nur von einem kostendeckenden Ergebnis kann noch keine Rede sein. Die Standesvertretung hat es leider wieder nicht geschafft, eine leistungsgerechte Bezahlung auszuhandeln. Aber genau das ist es, was die Apotheken brauchen.“ Nach der Sommerpause wird die Freie Apothekerschaft daher das Bundesgesundheitsministerium kontaktieren und die Begründung für diese Art der Erhöhung hinterfragen.

 

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